Viele landwirtschaftliche Familienbetriebe werden heute im Nebenerwerb geführt. Oft arbeitet ein Partner zusätzlich als Angestellter, Beamter oder in einem eigenen Gewerbe. Der Hof bleibt trotzdem ein wichtiger Teil des Lebens – emotional, familiär und finanziell. Genau darin liegt aber auch die Herausforderung.

Denn Nebenerwerbslandwirte bewegen sich zwischen zwei Welten: dem landwirtschaftlichen Betrieb und einem zweiten beruflichen System mit eigenen Regeln, Versicherungen und Absicherungen. Was auf den ersten Blick nach „weniger Risiko“ aussieht, ist in der Praxis oft deutlich komplexer. Und genau deshalb lohnt es sich, genauer hinzuschauen.

Zwei Einkommenswelten – aber nur eine Zukunft

Vielleicht kennen Sie das selbst: Tagsüber Arbeit im Angestelltenverhältnis oder im öffentlichen Dienst. Abends Stallarbeit, Büro, Maschinen, Felder oder Forst. Dazu Familie, Kinder und die Verantwortung für den Hof. Viele Nebenerwerbslandwirte tragen doppelte Verantwortung – aber die Absicherung wurde oft nie wirklich als Gesamtkonzept betrachtet. Denn plötzlich greifen unterschiedliche Systeme ineinander:

  • Einkommen aus Land- und Forstwirtschaft
  • Gehalt aus einem Angestelltenverhältnis
  • eventuell Versorgungsansprüche als Beamter
  • private Vorsorge
  • betriebliche Risiken am Hof

Das Problem dabei: Viele Versicherungen und Vorsorgelösungen betrachten nur einen Teil des Lebens – aber nicht das große Ganze. Genau dort entstehen später häufig Lücken.

Rainer Liebich und Torsten Schröder gehen einen laendlichen Weg entlang.

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Berufsunfähigkeit – hier wird es oft besonders kritisch

Ein Thema, das wir in der Praxis immer wieder erleben: die Berufsunfähigkeitsabsicherung. Denn gerade im Nebenerwerb wird häufig angenommen:
„Ich bin doch über meinen Hauptberuf abgesichert.“ Das stimmt allerdings nur teilweise.

Ein Beispiel aus der Praxis

Ein Lehrer bewirtschaftet nebenberuflich den elterlichen Hof. Über seinen Beamtenstatus bestehen zwar Versorgungsansprüche. Doch was passiert, wenn er gesundheitlich zwar noch unterrichten kann – die körperliche Arbeit am Hof aber nicht mehr möglich ist? Genau solche Situationen werden oft unterschätzt. Denn eine gesundheitliche Einschränkung betrifft nicht automatisch beide Tätigkeiten gleichermaßen.

Was bedeutet das konkret?

  • Vielleicht kann der Bürojob weiter ausgeübt werden, die Stallarbeit aber nicht mehr.
  • Vielleicht fällt die Landwirtschaft komplett weg – obwohl der Hauptberuf bestehen bleibt.
  • Vielleicht entsteht eine Versorgungslücke, weil laufende Kosten am Hof weiterlaufen.

Kurz gesagt: Berufsunfähigkeit ist im Nebenerwerb selten schwarz oder weiß. Und Standardlösungen greifen hier oft zu kurz.

Beamte im Nebenerwerb – vermeintlich sicher, aber nicht automatisch ausreichend

Besonders häufig begegnen wir Nebenerwerbslandwirten im Beamtenverhältnis – unter anderem Lehrern, Verwaltungsbeamten oder Polizeibeamten. Viele verlassen sich verständlicherweise auf ihre Versorgung durch den Dienstherrn. Was dabei oft übersehen wird: Die Beamtenversorgung sichert in erster Linie die berufliche Tätigkeit als Beamter ab – nicht automatisch den landwirtschaftlichen Betrieb. Der Hof läuft aber trotzdem weiter:

  • Darlehen müssen bezahlt werden
  • Maschinenkosten bleiben bestehen
  • Tierhaltung oder Flächenbewirtschaftung verursachen laufende Ausgaben
  • eventuell fällt eine wichtige Arbeitskraft weg

Diese Realität mag unbequem erscheinen, ändert aber nichts an den Tatsachen. Deshalb braucht es gerade im Nebenerwerb häufig eine individuelle Kombination aus:

  • Beamtenversorgung
  • privater Absicherung
  • betrieblicher Risikoabsicherung
  • Liquiditätsplanung für den Hof

Hinterbliebenenversorgung – oft einfacher, aber nicht weniger wichtig

Deutlich klarer ist die Situation meist bei der Hinterbliebenenversorgung. Denn unabhängig davon, ob der Betrieb im Voll- oder Nebenerwerb geführt wird:
Wenn ein Elternteil oder Betriebsleiter verstirbt, entsteht oft sofort finanzieller Druck.

Besonders wenn:

  • Kredite auf dem Hof bestehen
  • Investitionen finanziert wurden
  • Kinder abgesichert werden sollen
  • ein Einkommen wegfällt

Eine Risikolebensversicherung kann helfen, genau diese Lücke aufzufangen. Wichtig ist dabei vor allem:

  • die richtigen Versicherungssummen
  • eine passende Laufzeit
  • die richtige Vertragsgestaltung zwischen Ehepartnern. 

Denn auch hier gilt: Nicht jede Standardlösung passt automatisch zum Hof.

Der landwirtschaftliche Betrieb bleibt ein echter Betrieb

Gerade wenn ein Betrieb früher im Vollerwerb geführt wurde und heute nur noch nebenberuflich läuft, passt die ursprüngliche Absicherung oft nicht mehr zur aktuellen Realität. Maschinen werden inzwischen auch privat genutzt, Gebäude stehen leer oder haben einen anderen Zweck bekommen – und die Versicherung weiß davon nichts. Genau dort entstehen Lücken. Nicht weil jemand nachlässig war, sondern weil sich der Betrieb weiterentwickelt hat und die Verträge nie mitgezogen wurden.

Konkret bedeutet das: Stimmen die versicherten Hektar noch mit den tatsächlich bewirtschafteten Flächen überein? Sind Tierbestände korrekt gemeldet? Sind neu angeschaffte oder verkaufte Maschinen aktuell erfasst? Denn wer im Schadensfall falsche oder veraltete Angaben in der Police hat, riskiert, dass der Versicherer die Leistung kürzt – oder im schlimmsten Fall ganz verweigert.

Deshalb empfiehlt es sich, bestehende Policen mindestens einmal jährlich zu prüfen – sowohl die Bedingungen als auch die konkreten Angaben zu Hektar, Tierbestand und Maschinenpark.

Haftung und Recht – oft unterschätzt

Viele Nebenerwerbslandwirte denken zuerst an Gebäude oder Maschinen. Was dabei häufig vergessen wird: Die größten finanziellen Schäden entstehen oft durch Haftungsfälle.

Zum Beispiel durch einen Unfall mit landwirtschaftlichen Fahrzeugen, Schäden durch ausgebrochene Tiere, Verstöße gegen die Verkehrssicherungspflicht oder Streitigkeiten mit Nachbarn und Behörden.

Gerade die Mischung aus privater und landwirtschaftlicher Nutzung macht die Situation häufig kompliziert. Denn nicht jede private Haftpflicht deckt automatisch landwirtschaftliche Risiken mit ab. Eine Betriebshaftpflicht schützt dabei nicht nur bei berechtigten Forderungen – sie wehrt auch unberechtigte Ansprüche ab, notfalls vor Gericht.

Doch was ist, wenn man selbst sein Recht durchsetzen möchte? Genau hier kommt der Rechtsschutz ins Spiel. Die Betriebshaftpflicht übernimmt die Abwehr fremder Ansprüche – nicht aber die Kosten, wenn man selbst klagt. Ein Rechtsstreit mit einem Streitwert von 25.000 Euro kann allein in der ersten Instanz rund 6.000 Euro kosten – im Verlustfall. Ohne Rechtsschutzversicherung trägt das der Landwirt allein.

Gerade im Nebenerwerb, wo betriebliche und private Themen eng ineinandergreifen, entstehen hier schnell Missverständnisse – und gefährliche Lücken.

Fuhrpark und Maschinen – die typischen Stolperfallen

Ein weiterer Bereich, der im Nebenerwerb schnell unübersichtlich wird: Fahrzeuge und Maschinen. Denn häufig werden Traktoren privat und betrieblich genutzt, Anhänger unterschiedlich eingesetzt oder Maschinen verliehen und gemeinsam genutzt.

Klingt alltäglich – kann im Schadenfall aber entscheidend werden.

Was viele dabei unterschätzen: Die Kraftfahrzeughaftpflicht für Zugmaschinen ist in Deutschland eine der wenigen Pflichtversicherungen. Sie reguliert Sach- und Personenschäden gegenüber Dritten. Doch damit allein ist es oft nicht getan. Denn gerade bei Totalschäden – zum Beispiel durch Brand – zeigt sich schnell, ob die Absicherung wirklich ausreicht. Der Wiederbeschaffungswert, den ein Kaskoversicherer ansetzt, liegt in der Praxis häufig deutlich unter dem, was eine Neuanschaffung tatsächlich kostet.

Auch wer Maschinen leiht – vom Nachbarn oder vom Landtechnikhändler – sollte prüfen, ob Schäden an geliehenen Geräten in der bestehenden Police mitversichert sind. Das ist längst nicht selbstverständlich.

Gerade hier lohnt sich eine regelmäßige Prüfung der bestehenden Verträge. Denn viele Probleme entstehen nicht durch fehlende Versicherungen – sondern durch veränderte Lebensrealitäten, die nie angepasst wurden.

Die Familie absichern – nicht nur den Betrieb

Bei vielen Gesprächen merken wir:
Der Hof steht oft im Mittelpunkt. Die Familie dahinter gerät manchmal aus dem Blick. Dabei ist genau sie das eigentliche Fundament. Besonders im Nebenerwerb ist die Belastung häufig hoch:

  • wenig gemeinsame Zeit
  • doppelte Arbeitsbelastung
  • hohe Verantwortung
  • ständiges Funktionieren

Und wenn dann Krankheit, Pflege oder ein Notfall dazukommen, wird schnell klar, wie eng alles miteinander verbunden ist.

Gerade deshalb gehören auch diese Themen unbedingt dazu:

  • Hinterbliebenenversorgung
  • Pflegeabsicherung
  • Einkommenssicherung
  • Notfallplanung
  • familiäre Vertretungsregelungen

Denn ein Hof funktioniert nur dann dauerhaft, wenn auch die Menschen dahinter abgesichert sind.

Rechtliche Vorsorge – wird fast immer zu lange aufgeschoben

Ein Thema, das viele Nebenerwerbsfamilien kennen: „Darum kümmern wir uns später.“ 

Vorsorgevollmacht. Patientenverfügung. Testament. Hofnachfolge.

Alles wichtige Themen – aber oft liegen sie jahrelang wie ein Schatten über dem Alltag. Nicht aus Gleichgültigkeit. Sondern weil der Alltag voll ist und niemand Fehler machen möchte. Dabei erleben wir immer wieder: Schon einfache erste Schritte bringen enorme Erleichterung.

Zum Beispiel:

  • eine Vorsorgevollmacht
  • eine klare Übersicht wichtiger Unterlagen
  • erste Gespräche innerhalb der Familie
  • eine strukturierte Notfallmappe

Das löst nicht sofort alles. Aber es nimmt oft zum ersten Mal den Druck aus dem Kopf.

Fazit: Nebenerwerb braucht keine kleine Lösung

Nebenerwerbslandwirte brauchen keine „abgespeckte“ Beratung. Im Gegenteil. Die Kombination aus zwei beruflichen Welten macht die Absicherung oft sogar komplexer als im klassischen Vollerwerb.

Denn am Ende muss alles ineinandergreifen:

  • Familie
  • Hof
  • Hauptberuf
  • Vorsorge
  • Haftung
  • Einkommen
  • Zukunftsplanung

Und genau deshalb funktioniert hier selten eine Lösung von der Stange.

Was wirklich hilft, ist eine ganzheitliche Betrachtung:
Welche Risiken bestehen wirklich? Welche Absicherungen greifen bereits? Wo entstehen Lücken? Und was passt tatsächlich zu Ihrem Leben und Ihrem Hof?

Denn das Ziel ist nicht, möglichst viele Verträge zu haben.

Sondern ruhig schlafen zu können – mit dem Gefühl:
„Wenn etwas passiert, stehen wir nicht da wie bestellt und nicht abgeholt.“

Häufige Fragen von Nebenerwerbslandwirten

Nicht unbedingt. Gerade durch die Kombination aus Hauptberuf und Landwirtschaft entstehen oft Versorgungslücken oder Doppelversicherungen. Deshalb lohnt sich eine individuelle Prüfung der gesamten Situation.

In vielen Fällen ja. Denn eine gesundheitliche Einschränkung kann die Arbeit am Hof unmöglich machen, obwohl der Hauptberuf noch ausgeübt werden kann. Genau das wird häufig unterschätzt.

Oft nicht. Landwirtschaftliche Tätigkeiten sind in privaten Haftpflichtversicherungen meist nur eingeschränkt oder gar nicht mitversichert. Das sollte unbedingt geprüft werden.

Weil Krankheit, Unfall oder Todesfälle keine Rücksicht auf Betriebsgrößen nehmen. Vollmachten, Testament und klare Regelungen helfen dabei, Familie und Betrieb handlungsfähig zu halten.

Viele betrachten ihre Absicherung getrennt – privat hier, Hof dort, Hauptberuf nochmal extra. Genau dadurch entstehen häufig gefährliche Lücken. Entscheidend ist eine Gesamtstrategie, die alle Lebensbereiche zusammenführt.

Torsten Kaiser-Schröder

Torsten Kaiser-Schröder bringt über 20 Jahre Erfahrung als Versicherungsmakler für landwirtschaftliche Familienbetriebe mit. Jahrgang 1970, aufgewachsen auf einem Bauernhof mit 200 Zuchtsauen und 75 ha Ackerland, hat er als Diplom-Agraringenieur und zertifizierter Risikomanager (TÜV Nord CERT GmbH) eine tiefe Verbundenheit zur Landwirtschaft. Als Experte für Generationenberatung und Firmenkundenversicherung nutzt er sein umfangreiches Wissen, um landwirtschaftliche Betriebe umfassend abzusichern und bei wichtigen Entscheidungen zu unterstützen.

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