Chance und Risiko sind eng miteinander verbunden. Hinter dem lateinischen Ausdruck „risicare“ (etwas unternehmen, etwas wagen) versteckt sich auch etwas Positives, nämlich eine Chance!  Der Bau eines neuen Stalles birgt für einen landwirtschaftlichen Familienbetrieb Chance und Risiko zugleich. Die Chance, den Familienbetrieb weiterzuentwickeln, aber auch das Risiko durch ein Schadensereignis den ganzen Hof zu verlieren. Um das Risiko zu beherrschen, braucht Ihr landwirtschaftlicher Betrieb ein effizientes Risikomanagementsystem…

Der Begriff Risiko kommt interessanterweise aus der Seefahrt, im Sinne von „eine Klippe“ umschiffen. Für Landwirte und ihre Familien, die als Kapitän ihren Hof, auch in unsicheren Gewässern im Griff haben müssen, eine nicht unpassende Metapher.

Versicherbare und spekulative Risiken

In der Literatur unterscheidet man zwischen den versicherbaren und den spekulativen Risiken. Versicherbare Risiken beziehen sich auf Verluste, die durch plötzlich auftretende Ereignisse hervorgerufen werden, wie z. B. ein Feuer. Sie können, wie es der Name schon sagt durch Versicherungspolicen abgedeckt werden. Die spekulativen Risiken unterteilen sich in Verluste und Chancen und beziehen sich auf sämtliche unternehmerische Tätigkeiten. Spekulative Risiken haben somit immer die Möglichkeit auf einen Erfolg der geplanten Aktion.

Darüber hinaus taucht im Zusammenhang mit dem Begriff Risiko auch immer der Begriff Krise auf. Bei einer Krise ist das Ereignis bereits eingetreten, während beim Thema Risiko man sich mit möglichen Ereignissen im Vorfeld beschäftigt. Wir können den Begriff Risiko wie folgt definieren:

„Mögliches Eintreten eines Ereignisses, das einen Einfluss auf eine gesetzte Zielsetzung hat!“ – Dr. Gerhard Geist, Seminar Risikomanager Akademie TÜV Nord

Im Risikomanagement eines landwirtschaftlichen Betriebes sind immer zwei Ebenen zu betrachten – die strategischen und operativen Risiken. Wenn wir bei dem Beispiel des Stallbaus bleiben, kann das übersehen der sich verändernden Essgewohnheiten hin zu veganer Ernährung im operativen Bereich zu Umsatzeinbußen kommen. Das Grundprinzip zur Bestimmung eines Risikos ist also die Betrachtung einer bestimmten Situation, die nach bestimmten Kriterien für die Schadenshöhe bzw. die Eintrittswahrscheinlichkeit, dass dieser Schaden entstehen kann, analysiert und bewertet wird. Das Ergebnis ist dann eine Einstufung, inwieweit eine gesetzte Zielsetzung gefährdet ist. (Autor Dr. Gerhard Geist, Seminar Risikomanager Akademie TÜV Nord).

Zurück zu unserem Beispiel, des Baus eines neuen Stalles. Wenn ein landwirtschaftliches Familienunternehmen einen neuen Milchviehstall baut, sieht es darin die Chance, den Hof für die nächsten Jahrzehnte „fit“ zu machen. Das Ziel ist also der Erhalt des eigenen Bauernhofes. Nachdem die Entscheidung zum Bau des Stalles getroffen ist, kommt der Risikomanager ins Spiel.

Bleiben Sie informiert!

Mit unseren kostenlosen Newsletter halten wir Sie zu wichtigen Informationen und aktuellen Entwicklungen zum Risikomanagement in der Landwirtschaft auf dem Laufenden. 

Abonnieren Sie unseren Newsletter jetzt und erhalten Sie unsere “13 Profi-Tipps zur sofortigen Optimierung Ihres Risikoschutzes” gratis dazu.  

Die Aufgabe eines Risikomanagers

Es geht um die Frage, was kann auf dem Weg den eigenen Hof zu erhalten alles passieren? Das könnte ein Feuer sein, eine Tierseuche oder eine Tierkrankheit. Die Eintrittswahrscheinlichkeiten sind eher gering, aber die Schadenshöhen können existenzgefährdend sein. Diese Risiken kann ein landwirtschaftlicher Unternehmer auf einen Versicherer auslagern. Darüber hinaus gibt es aber weitere Szenarien, die das oben genannte Ziel gefährden können:

  • Finde ich für den Betrieb des neuen Stalles ausreichend Mitarbeiter?
  • Wie bewerte ich neue Ernährungstrends, wie z. B. den Boom am Markt für Pflanzenmilch?
  • Welche Möglichkeiten gibt es, die eigene Milch weiter zu verarbeiten und zu vermarkten?
  • Welche Folgen hat ein krankheits- oder unfallbedingter Ausfall des Betriebsleiters?

Das Risikomanagementsystem eines Landwirtschaftsunternehmens

Kern eines jeden Risikomanagementsystems ist der Risikomanagementprozess. Dieser Prozess besteht aus folgenden Bausteinen:

  • Risikofelder ermitteln – Umfang der Risikofelder festlegen
  • Risikoidentifikation – Identifizieren, was wann wo warum passieren könnte
  • Risikoanalyse – Festlegung der Risikolevel: Einteilung in Risikoklassen
  • Risikobewertung – Vergleichen gegenüber den gesetzten Kriterien und bestimmen, ob Maßnahmen erforderlich sind
  • Risikobewältigung – Bestimmung der einzuleitenden Maßnahmen
  • Risikocontrolling – Controlling der Risiken, Restrisiken und eingeleiteten Maßnahmen auf Wirksamkeit
  • Risikokommunikation – begleitend über den gesamten Prozess hinweg

(Autor Dr. Gerhard Geist, Seminar Risikomanager Akademie TÜV Nord

In dem Prozess geht es somit um die systematische Identifikation und Bewertung der Risiken sowie um den Umgang und das Controlling mit diesen Risiken und gegebenenfalls folgenden Maßnahmen. Ob die gesamte Vorgehensweise in Ordnung ist, ob das Risikomanagementsystem ausreichend effizient und effektiv ist, muss regelmäßig überprüft werden.

Identifikation der signifikanten Risiken eines landwirtschaftlichen Betriebes

Für die Bestimmung Ihrer Risikofelder setzen wir in unserer Beratung eine Checkliste ein. 

Beratungslandkarte Risiken Landwirtschaftsbetrieb

In dieser sind die allermeisten Einflussfaktoren auf einen landwirtschaftlichen Familienbetrieb aufgeführt. Einige sind für den einzelnen Betrieb nicht relevant, da diese Risiken quasi nicht existieren. Alle weiteren, für den Hof relevanten Risiken, werden in der Beratung besprochen. Der Fokus liegt zuerst auf den Feldern, die das größte Bedrohungspotential für Ihren Hof und Familie haben könnten.

Die Identifikation der entscheidenden Risikofelder ist maßgeblich für den Erfolg eines Risikomanagementsystems. Nehmen wir als Beispiel ein landwirtschaftliches Familienunternehmen mit Milchviehhaltung. Die klassischen Themenfelder sind der Tierbestand, die Ernte, die Technik, Mitarbeiter, Banken und die Lebensmittelindustrie, um nur einige zu nennen.

Risikoanalyse in Landwirtschaftsunternehmen

Im nächsten Schritt erfolgt nun die Identifikation der möglichen Risiken in den einzelnen Risikofeldern. Ganz wichtig, zu diesem frühen Zeitpunkt geht es rein um die Identifikation, ohne dabei bereits Gedanken über deren Eliminierung anzustellen. Diese Schritte sind strikt zu trennen. Wenn wir bei unserem Beispiel von oben bleiben und wir uns einmal das Risikofeld Tierbestand anschauen, dann sprechen wir mit unseren Kunden über folgende Risiken: Feuer, Tierseuchen und Tierkrankheiten und Ausfall von Technik.

Bei der Risikoanalyse stellt sich die Frage, wie wahrscheinlich tritt der Risikofall ein und mit welchen Auswirkungen ist gegebenenfalls zu rechnen? Die Risikoanalyse vermittelt somit einen Eindruck von den Auswirkungen der einzelnen Risiken. Aus unserer über 20 jährigen Erfahrung als Versicherungsmakler können wir für viele dieser Risiken das genaue Schadensausmaß in Euro anhand von Zahlen, Daten Fakten belegen. Mit dem Ampelsystem werden nun die Risikoteilfelder markiert, wobei grün ein geringes Risiko darstellt, gelb für ein hohes Risiko steht und rot ein extremes Risiko abbildet. Bei unserem Beispiel haben wir mit unserem Kunden festgestellt, dass ein Feuer in der Milchviehhaltung zu einem enormen finanziellen Schaden führen würde, da auf lange Sicht mit erheblichen Ertragsausfällen und Mehrkosten zu rechnen wäre. Also Rot!

Risikobewertung in landwirtschaftlichen Familienbetrieben

Hieran schließt sich die Phase der Risikobewertung an. Die Risikobewertung stellt die Entscheidung dar, für welche Risikoereignisse tatsächlich Maßnahmen ergriffen werden. Und wenn nicht, die Begründungen abzugeben, warum nicht. In unserem Beispiel wird eine Maßnahme ergriffen. Es gibt aber auch Risiken, deren Beseitigung derart viel Geld „verschlingen“ würde, dass das Unternehmen dadurch in Konkurs gehen würde. Solche Risiken müssen dann akzeptiert werden und außer der Bildung einer Rückstellung von ausreichend Risikokapital werden keine weiteren Maßnahmen ergriffen.

Beim Risikohandling stehen folgende Handlungsmöglichkeiten zur Auswahl:

  • Vermeidung,
  • Verminderung,
  • Übertragung und
  • Kompensation.

In unserem Beispiel wird das Risiko zum einen auf einen Versicherer übertragen, indem in die bestehende Feuerversicherung der Baustein Mehrkosten und Ertragsausfälle nach einer Betriebsunterbrechung miteingeschlossen wird. Darüber hinaus wird das Risiko vermindert, indem z. B. mit der örtlichen Feuerwehr eine Übung durchgeführt wird, die Lagerung von Stroh im Stall auf den Tagesbedarf reduziert wird und der Betriebselektriker mit der Prüfung der elektrischen Anlagen beauftragt wird.

In unseren regelmäßigen Jahresgesprächen werden diese Risiken dann kontinuierlich überwacht. Sie wollen für Ihren landwirtschaftlichen Betrieb auch ein effizientes Risikomanagementsystem entwickeln? Dann nehmen Sie einfach mit uns Kontakt auf!

Das könnte Sie auch interessieren:

Unser einzigartiges Bertungskonzept